Wer ist eins — und wem gehört das Unternehmen?
Die eins energie in sachsen GmbH & Co. KG ist der Fernwärme-Monopolist in Chemnitz. Viele halten sie für „das Stadtwerk". Tatsächlich gehört der Stadt Chemnitz nur noch gut ein Viertel — und der größte Einzelgesellschafter sitzt in München.
Die Eigentümer
| Gesellschafter | Anteil | Wer ist das? |
|---|---|---|
| Thüga AG, München | 39,85 % | Beteiligungsverbund im Eigentum westdeutscher Stadtwerke: Mainova (Frankfurt), enercity (Hannover), N-ERGIE (Nürnberg) je 20,53 %, KOM9-Konsortium 38,41 % |
| Stadt Chemnitz (mittelbar über Beteiligungsgesellschaften) | 25,5 % | die „kommunale Bank" der Stadt |
| KVES / Zweckverband Gasversorgung Südsachsen | 25,5 % | 117 Städte und Gemeinden der Region |
| eins energie Beteiligungsgesellschaft Chemnitz mbH | 9,15 % | eigene Tochtergesellschaft (Anteil bis April 2025 bei enviaM) |
Quelle: Beteiligungsbericht der Stadt Chemnitz 2024; Thüga-Finanzbericht.1 Die kommunale Seite (Stadt + Zweckverband) hält zusammen 51 %. Die Thüga ist größter Einzelgesellschafter, kontrolliert eins aber nicht allein.
„In drei Halbierungen": Wie aus 100 % kommunal 25,5 % wurden
Bis in die 1990er gehörte die Energieversorgung vollständig der Stadt. Mit der Teilprivatisierung Ende der 1990er sank der Stadtanteil auf gut die Hälfte; mit der Fusion von Stadtwerken Chemnitz und Erdgas Südsachsen zur „eins" (2010) auf 25,5 %.1 Jede Entscheidung über Preise, Gewinne und Investitionen fällt seitdem in einer Gesellschafterstruktur, in der Chemnitz allein nichts mehr durchsetzen kann.
Die doppelte Rolle der Stadt
Im Aufsichtsrat von eins sitzen unter anderem der Oberbürgermeister (als 1. stellvertretender Vorsitzender), ein Bürgermeister und mehrere Stadträte. Der Gewinnanteil der Stadt fließt über die städtische Beteiligungsholding in den Querverbund und deckt dort vor allem die Verluste des Nahverkehrs (2024: rund 28 Mio. €).1,2
Das ist der Kern des Kontrollproblems: Die Stadt ist zugleich Miteigentümerin, Aufsichtsrätin, Großkundin — und auf die Ausschüttungen angewiesen, mit denen sie Busse und Bahnen finanziert. Wer so verflochten ist, hat wenig Anreiz, die Preispolitik des eigenen Unternehmens offensiv zu kontrollieren. „Linke Tasche, rechte Tasche" — nur dass die Wärmekunden die Tasche füllen. Das ist kein Vorwurf an einzelne Personen, sondern eine strukturelle Diagnose: Das Problem ist nicht die Person — es ist die Konstellation.
Wo die Fäden zusammenlaufen
eins ist kein einzelnes Unternehmen, sondern eine Gruppe: Die Netztochter inetz betreibt Strom-, Gas- und Fernwärmenetze (kumulierte Verluste 2020–2024: rund 41,6 Mio. €, getragen von der Mutter1); der Energiehandel läuft über die Syneco-Gruppe im Thüga-Verbund, an der eins beteiligt ist.3 Für die Preisfrage heißt das: Konzerninterne Verrechnungen (Netzpacht, Handelsmargen) sind Teil der Kalkulation — und genau dazu gibt es bislang keine öffentliche Transparenz. Deshalb ist das Auskunftsverlangen ein zentraler Hebel.
Quellen
- Beteiligungsbericht der Stadt Chemnitz 2024; Jahresabschlüsse eins energie in sachsen GmbH & Co. KG und inetz GmbH (Bundesanzeiger/Unternehmensregister); Thüga-Finanzbericht 2024.
- Ratsbeschlüsse zum steuerlichen Querverbund (u. a. B-262/2016, BA-055/2019); Jahresabschluss CVAG.
- eins-Geschäftsberichte (Beteiligungsübersicht Syneco); Details im Beweisarchiv.