Wärmepreis Chemnitz Prüfen. Widersprechen. Klagen.

Der Gas-Deal: Kohleausstieg auf Kosten der Kunden

Mitten in die Gaskrise hinein hat eins die Chemnitzer Fernwärme fast vollständig auf Erdgas umgestellt — als eigene unternehmerische Entscheidung, Jahre vor jeder gesetzlichen Pflicht. Die Fördermittel nahm das Unternehmen mit. Die Preisrisiken tragen seither die Kunden.

Die Chronik

Das Ergebnis: fast 100 % Erdgas

Brennstoffmix der Chemnitzer Fernwärme laut den energetischen Bescheinigungen (AGFW): 2024 rund 93,95 % Erdgas; 2025 bereits 99,62 % Erdgas und nur 0,14 % Erneuerbare.4 Kurios: Nach der Rechenvorschrift des Gebäudeenergiegesetzes gilt diese Fernwärme trotzdem als „0 g CO₂ pro kWh" — während dieselbe Wärme nach dem CO2-Kostenaufteilungsgesetz mit 0,221–0,252 t/MWh geführt wird.4

Man kann den Kohleausstieg klimapolitisch richtig finden — wir kritisieren nicht das Ob. Aber wer 2019 entscheidet, sich fast vollständig von einem einzigen importierten Brennstoff abhängig zu machen, und diese Entscheidung mitten in der größten Gaspreiskrise der Geschichte vollzieht, hat eine unternehmerische Wette abgeschlossen. Verloren haben sie die Kunden: Der Gasindex wurde zum 1.1.2024 in die Preisformel eingebaut — geeicht am Krisenmaximum. Wie das funktioniert, steht in Kapitel 1.

Fördermittel kassiert — Weitergabe offen

Für den Kohleersatz erhielt eins allein 2024 rund 16,04 Mio. € Kohleersatzbonus nach § 7c KWKG sowie 6,5 Mio. € aus dem Just Transition Fund der EU.5 Aus den veröffentlichten Unterlagen ist nicht ablesbar, dass diese Mittel preismindernd an die Wärmekunden weitergegeben wurden.

Dazu kommt die Doppelrolle der Kraft-Wärme-Kopplung: Die Gasmotoren erzeugen Strom und Wärme (je Motor rund 12,5 MW elektrisch und thermisch1). Die Erlöse aus dem Stromverkauf müssen die Wärmekosten grundsätzlich mindern. Ob und wie das in der Chemnitzer Kalkulation geschieht, ist öffentlich nicht nachvollziehbar — einer der zentralen Punkte des Auskunftsverlangens.

Das löchrige Netz

Netzverluste der Chemnitzer Fernwärme laut AGFW-Bescheinigungen und Wärmeplan: 2021: 18,1 % → 2022: 19,2 % → 2023: 21,7 % → 2024: 21,3 % → 2025: 19,3 %. Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa 13 %.4 2024 gingen damit 178.064 von 836.030 eingespeisten MWh verloren — mehr als jede fünfte Kilowattstunde, erzeugt, bezahlt, verpufft.

Jede verlorene Kilowattstunde steht in Ihrer Preisformel. Ein Sanierungsprogramm mit Zielpfad wäre die naheliegendste Preisbremse — im beschlossenen Wärmeplan steht es nicht als prioritäre Maßnahme. Stattdessen: Netzausbau. Mehr dazu in Kapitel 7.

Weiter: Die Monopolfalle →

Quellen

  1. eins-Pressemitteilungen und -Publikationen zur Motoren-Inbetriebnahme (u. a. „Meilenstein der Energiewende in Chemnitz", 18.05.2021; „Zäsur in Chemnitz", 17./18.01.2024); Video-Transkripte im Beweisarchiv.
  2. Freie Presse, 06.12.2023: „Fernwärme Chemnitz: Eins Energie erhöht die Preise ab Januar drastisch"; Preisblätter 2024 (gesichert, mit Prüfsummen).
  3. Freie Presse, Interview R. Warner, 01.11.2025.
  4. AGFW / energetische Bescheinigungen Fernwärmenetz Chemnitz, Bilanzjahre 2021–2025; Kommunale Wärmeplanung Chemnitz (Netzverluste).
  5. Jahresabschluss/Geschäftsbericht eins 2024 (Kohleersatzbonus § 7c KWKG; Just Transition Fund).