Wärmepreis Chemnitz Prüfen. Widersprechen. Klagen.

Die Gewinne: Wohin Ihr Wärmegeld fließt

Während die Fernwärmekunden seit 2024 Rekordpreise zahlen, schüttet eins Jahr für Jahr fast den gesamten Bilanzgewinn an die Gesellschafter aus. Ein großer Teil davon verlässt Chemnitz.

Die Zahlen

GeschäftsjahrBilanzgewinnAusschüttungQuote
202265,47 Mio. €64,07 Mio. €97,9 %
202371,92 Mio. €65,72 Mio. €91,4 %
202488,66 Mio. €77,66 Mio. €87,6 %
202586,69 Mio. €68,93 Mio. €79,5 %

Summe der Ausschüttungen 2022–2025: rund 276 Mio. €. Quelle: geprüfte Jahresabschlüsse (Bundesanzeiger/Unternehmensregister).1 Das Krisen- und Preissprungjahr 2024 war zugleich das Rekord-Gewinnjahr.

Wer bekommt das Geld?

Nach den Gesellschaftsanteilen entfielen von der Ausschüttung für 2024 (77,66 Mio. €) rechnerisch rund 30,9 Mio. € auf die Thüga AG (München), je rund 19,8 Mio. € auf die Stadt Chemnitz und den Zweckverband Südsachsen und rund 7,1 Mio. € auf die eigene Beteiligungsgesellschaft.1 Über die Jahre 2018–2024 summieren sich die Bilanzgewinne auf rund 493 Mio. €, die Ausschüttungen auf rund 469 Mio. € — davon gingen rund 230 Mio. € an Gesellschafter außerhalb der Region, allein rund 187 Mio. € an die Thüga.1

Anders gesagt: Wenn ein Chemnitzer Fernwärmekunde seine Rechnung bezahlt, wandert ein Anteil dieses Geldes Jahr für Jahr in westdeutsche kommunale Haushalte — nach Frankfurt, Hannover, Nürnberg und in den KOM9-Verbund. Das ist legal. Aber es gehört zur Wahrheit über ein Unternehmen, das sich in Chemnitz gern als Kümmerer vor Ort präsentiert.

Und die Stadt?

Der Chemnitzer Anteil verschwindet nicht in der Stadtkasse, sondern im Querverbund: Er deckt vor allem die Verluste des Nahverkehrs (2024: rund 28 Mio. €).2 Das klingt vernünftig — bedeutet aber: Die Wärmekunden finanzieren indirekt den ÖPNV. Und die Stadt hat ein fiskalisches Eigeninteresse an hohen eins-Gewinnen, also auch an hohen Wärmepreisen.

Ausschüttung trotz Milliardenaufgabe

eins steht vor einer teuren Transformation (Netzsanierung, Dekarbonisierung; allein die Sanierung des verlustreichen Fernwärmenetzes wird auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag geschätzt3). Gleichzeitig wurden 2022–2025 rund 80–98 % der Bilanzgewinne ausgeschüttet; die Investitionen liefen zunehmend über neue Darlehen (2024: ~143 Mio. €, 2025: ~239 Mio. €) sowie über Fördermittel und Kundenpreise.1 Rücklagen sind vorhanden (Ende 2024: rund 156 Mio. €), wachsen aber deutlich langsamer als die Ausschüttungen abfließen.

Gewinne werden entnommen, Investitionen über Schulden und Preise finanziert: Die Kunden zahlen doppelt — erst den Gewinn, dann den Umbau. Wer vor einer Jahrhundertaufgabe steht und trotzdem fast alles ausschüttet, muss sich die Frage gefallen lassen, wessen Interessen die Preispolitik dient.

Weiter: Der Gas-Deal → Ihren eigenen Anteil ausrechnen

Quellen

  1. Geprüfte Jahresabschlüsse und Geschäftsberichte eins energie in sachsen 2018–2025 (Bundesanzeiger/Unternehmensregister); Beteiligungsbericht Stadt Chemnitz 2024. Aufstellung im Beweisarchiv.
  2. Ratsbeschlüsse B-262/2016, BA-055/2019 (steuerlicher Querverbund); Jahresabschluss CVAG 2024.
  3. Kommunale Wärmeplanung Chemnitz (Endbericht GEF, 05.03.2026) und AGFW-Bescheinigungen zu Netzverlusten; Schätzband der Sanierungskosten aus dem veröffentlichten Dossier „Chemnitzer Wärmeplan — wer verliert und wer gewinnt".